Sparkassen wachsen mit guter Konjunktur - Kritik an Mehrbelastung durch Regulierung

28.03.2018

Gute Wirtschaftslage
sorgt für Wachstum
Das stabile Wachstum der Wirtschaft in Schleswig-Holstein hat 2017 auch bei den Sparkassen zu einer weiterhin guten Geschäftsent-wicklung beigetragen. Volle Auftragsbücher bei Mittelstand und Handwerk sorgten erneut für eine lebhafte Kreditnachfrage, der gewerbliche und der private Wohnungsbau waren ein Schwerpunkt der Finanzierungen. Auf der anderen Seite verzeichneten die Sparkassen ein lebhaftes Wertpapiergeschäft. „Die Kunden versuchen mehr als bisher durch die Geldanlage in Wertpapieren den niedrigen Zinsen zu entkommen“, erläuterte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, Reinhard Boll, bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes am Mittwoch in Kiel. Auch die Sparkassen spüren immer mehr die Belastungen durch das Zinsniveau und eine zunehmende Regulierung des Geschäfts. Dennoch konnten die 11 Institute dank guter Arbeit ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres erreichen, teilte Boll weiter mit.

Kritik an immer
mehr Regulierung
Deutliche Kritik übte der Sparkassenpräsident an den steigenden regulatorischen Anforderungen. Kleinere Institute wie Sparkassen würden überproportional belastet, wenn eine Richtlinie wie MiFID II mit einem Umfang von über 20.000 Seiten Gesetzestext umgesetzt werden muss. Außerdem verfehle man das Ziel, Wertpapierge-schäfte transparenter zu machen und Anleger besser zu schützen.
 
Auch die Einführung einer europaweiten, einheitlichen Einlagen-sicherung (EDIS) lehnt Boll ab. EDIS soll verhindern, dass Steuer-zahler für Banken haften, die in Schieflage geraten sind und abge-wickelt werden müssen. Man könne nicht Sparkassen mit einem auf regionale Gebiete beschränkten Geschäftsmodell und einem
eigenen Sicherungssystem in die Mithaftung für global tätige
Banken mit gänzlich anders strukturierten Geschäften und Risiken zwingen. Gerade in der Finanzkrise habe die regionale Kreditwirtschaft mit ihren risikoarmen, überschaubaren Geschäften Stabilität bewiesen. Das dürfe nicht durch die Hintertür einer Transferunion ausgehebelt werden.
Digitalisierung: Chance
und Herausforderung
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Als Herausforderung und Chance verstehen die Sparkassen die zahlreichen digitalen Innovationen, die zu einer weiteren Individualisie- rung des Bankgeschäfts führen. “Wir stellen uns darauf ein, dass Kunden die Möglichkeiten der digitalen Welt nutzen und ihr gewohntes Verhalten ändern. Wir erleben eine Abstimmung mit den Füßen – raus aus der Filiale und rein ins Netz” sagte Boll weiter. So steuern inzwischen mehr als 53 % der Privatkunden (+ 2,1 %) ihr Konto online über die Internetfiliale oder die Sparkassen App, bei den Firmenkunden sind es sogar 76 % (+ 7,1 %). In den nächsten Jahren werde die Quote der online geführten Konten weiter steigen, erwartet Boll. Die Filialen vor Ort würden nur noch für persönliche Beratungen und Geschäftsabschlüsse aufgesucht.
Geschäftsstellen mit
erweiterten Aufgaben
Auf diese Veränderungen im Kundenverhalten müssen die Spar-kassen reagieren. So investiere man einerseits weiter in das Filialnetz und fasse z. B. Geschäftsstellen zu größeren Einheiten zusammen und werte sie auf. Dementsprechend ging 2017 die Zahl der Geschäftsstellen um 17 auf 399 (SB 160) zurück und dürfte auch künftig weiter sinken. Dennoch werden die Sparkassen auch in
Zukunft mit Filialen und Beratern präsent sein – stationär und online. Denn auf der anderen Seite investiere die ganze deutsche Sparkassenorganisation massiv in den Ausbau der mobilen Bezahlmöglichkeiten. „Wenn der online-Handel jährlich zweistellig wächst, müssen wir Bezahldienste anbieten, die den Wünschen unserer Kunden entgegenkommen“, sagte Boll weiter. „Denn wir wollen auch in der
digitalen Welt der bevorzugte Finanzpartner in Schleswig-Holstein sein“.
Mobiles Banking für
Standardleistungen
und schnelles Bezahlen
 
 
So werden die Sparkassen noch in diesem Jahr das mobile Bezahlen mit dem Smartphone anbieten. Mobile Payment ist möglich, wenn Handelsunternehmen Terminals für das kontaktlose Bezahlen
bereithalten. Insbesondere die großen Handelsketten sind hier Vorreiter. Ein weiterer Schritt ist das Instant Payment, mit dem ab Mitte des Jahres mittels einer App Überweisungen in Echtzeit abgewickelt werden können – gerade bei Online-Bestellungen ein wichtiger Fortschritt, weil die bestellte Ware nach Zahlungseingang sofort ausgeliefert wird. Auch das Bezahlen mit Kwitt wird seit der Einführung vor einem Jahr immer beliebter. Mit Kwitt lässt sich Geld über die Smartphone-App einfach an einen Kontakt aus dem eigenen Telefonbuch ohne die Eingabe der IBAN-Nummer überweisen.
Auch die digitalen Innovationen dienen dem Ziel, das Vertrauen von Privatkunden und Unternehmern in unsere Stärke und unseren Ruf als moderner, führender Finanzdienstleister zu rechtfertigen. Dennoch bleiben wir Sparkassen wie man sie kennt – als Finanzpartner, als wichtiger Steuerzahler und als nachhaltiger Förderer des gesellschaftlichen Lebens, bekräftigte Boll.
Engagement für
die Gesellschaft
 
So fördern die Sparkassen das Tourismusbarometer, die Museums-card, den Gottorfer Landmarkt sowie das Projekt Zukunftsschule und unterstützen den Spitzensport bei den Olympischen Winterspielen und den Special Olympics im Mai in Kiel genauso wie den Breitensport durch den Sportabzeichen-Wettbewerb. Auch das Engagement bei Kunst, Kultur und Wissenschaft ist beträchtlich. Für diese Aufgaben stellten die Sparkassen, ihre Stiftungen sowie der Sparkassen- und Giroverband 2017 rund 16,9 Mio. Euro zur Verfügung und waren damit erneut der größte nichtstaatliche Förderer gemeinnütziger Aufgaben in Schleswig-Holstein.
Konjunktur treibt
Kreditgeschäft an
Wichtigste Voraussetzung für diese Leistungen war die erfolgreiche Arbeit der Sparkassen und eine solide Geschäftsentwicklung. „Damit konnten die Ertragsbelastungen durch Nullzins und Regulierung sowie die Herausforderungen des digitalen Wandels bewältigt und trotzdem solide Ergebnisse erzielt werden“, fasste Boll die Entwicklung zusammen. Im Einzelnen stiegen die Ausleihungen an Unternehmen und Selbständige um vier Prozent auf 18,7 Mrd. Euro
(Vj. + 3,1 %), der Kreditbestand der Privatkunden erreichte 11,9 Mrd. Euro (+ 1,1 %). Die Nachfrage nach Wohnungsbaufinanzierungen von Privatkunden hat sich erholt – nach den Verunsicherungen durch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie 2016 – das Volumen der Finanzierungen stieg um + 2,3 % an. Die gesamten Ausleihungen der Sparkassen stiegen um 2,5 % auf 31,5 Mrd. Euro an, 17,1 Mrd. Euro entfielen auf den Wohnungsbau.
Sparer setzen
auf Wertpapiere
 
Die Kundeneinlagen bei den Sparkassen nahmen trotz niedrigster Zinsen deutlich um 1,1 Mrd. Euro (+ 4,1 %) auf 27,9 Mrd. Euro zu. Wegen der besseren Verzinsung kauften die Kunden erstmals seit Jahren verstärkt Wertpapiere. Ihr Umsatz stieg um 19,2 % auf 3,3 Mrd. Euro. Festverzinsliche Wertpapiere und Investment-zertifikate hatten die höchsten Anteile am Gesamtumsatz. Wie im vorangegangenen Jahr gingen die Spareinlagen weiter zurück. Dagegen nahm der Bestand täglich fälliger Gelder auf Sichtkonten weiter auf 18,5 Mrd. Euro zu (+ 7,8 %).
Ertragslage stabil
 
Trotz steigender Belastungen durch regulatorische Auflagen, Investitionen in die digitalen Leistungen und den Umbau der stationären Vertriebswege sowie die Niedrigzinsen konnten die Sparkassen ihre Ertragslage stabil halten. Positiv wirkten sich der Rückgang der
Risikovorsorge im Kreditgeschäft sowie der Anstieg der Provisionsüberschüsse aus; der Zinsüberschuss ging dagegen weiter zurück. Dank weiter erhöhter Eigenmittel stieg die durchschnittliche Kernkapitalquote von 12,9 auf 13,7 % an. Der Jahresüberschuss nach Steuern erreichte 58,6 Mio. Euro (Vj.: 55,8 Mio. Euro), die Steuerzahlungen stiegen um 11,8 Mio. Euro auf 96,5 Mio. Euro an. Das
Geschäftsvolumen der 11 Sparkassen belief sich auf 39,6 Mrd. Euro (Vj: 38,4 Mrd. Euro). 1,21 Millionen Schleswig-Holsteiner hatten Ende 2017 ein Girokonto bei einer Sparkasse.
Konsolidierung bei
den Verbundpartnern
 
Zufrieden äußerte sich Boll über das erzielte Ergebnis beim Verkauf der HSH Nordbank AG. „Nach allen Spekulationen über eine Abwicklung ist dieses Ergebnis sehr erfreulich“, sagte Boll wörtlich. Auch der weitere Prozess bis zum sogenannten Closing dürfte planmäßig verlaufen, so dass auch die EU-Kommission im vorgegebenen Zeitrahmen den Verkauf genehmigen dürfte.
Provinzial NordWest AG
 
Die bereits länger andauernden Bemühungen, bei den öffentlichen Versicherern Provinzial NordWest und der Provinzial Rheinland zu einer Konsolidierung zu kommen, werden in Gesprächen der Eigentümer fortgesetzt. Die schleswig-holsteinischen Sparkassen unterstützen das Vorhaben, weil wettbewerbsfähige Strukturen im
Verbund auch die Wettbewerbsfähigkeit der Sparkassen stärken. Im Übrigen sei der Provinzial-Standort Kiel aufgrund vertraglicher Regelung mit dem Land Schleswig-Holstein sicher.
Bausparkasse SHH AG
 
 
Für die LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg AG wurde mit den Eigentümern der LBS West beschlossen, in diesem Jahr im Rahmen eines Projektes eine Fusion beider Unternehmen zu prüfen. Ergebnisse werden bis Ende des Jahres erwartet.
Reinhardt Hassenstein
Pressesprecher
Sparkassen- und Giroverband
für Schleswig-Holstein
Tel.:  +49 431 5335-506
Mail: reinhardt.hassenstein@sgvsh.de

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